Dr. Bernhard Hauke
Geschäftsführer
Stahlbau Verlag Shop

Tag der Architektur'14 . Katharinenturm
Bevor ich meine Entdeckungen des diesjährigen "Tag der Architektur" vergangenes Wochenende zeige, möchte ich - längst überfällig - ein Objekt in Magdeburg vorstellen, welches letztes Jahr (Sommer 2014) seine Türen öffnete zum Motto "Architektur bewegt". Am letzten Juniwochenende im Jahr findet nahezu bundesweit dieser besondere Tag statt. Hier kann sich jeder Architektur- oder Kulturinteressierte einzelne Objekte in zahlreichen Städten ansehen und sich dazu die Geschichten und Intentionen der Projektbeteiligten anhören. Im vergangenen Jahr stand das Logistik- und Verwaltungszentrum GUNZ und der "Katharinenturm" - beides in Magdeburg - auf meinem Laufzettel. Der Katharinenturm ...ist eine kleine Sehenswürdigkeit in unserer Domhauptstadt in Sachsen-Anhalt. Nicht so berühmt wie der Dom selbst, das Hundertwasserhaus oder der Elbauenpark, jedoch voll gepackt mit Geschichte und Leben. Anstelle des heutigen Wohn- und Geschäftshauses stand einst die Kirche St. Katherinen. Im Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges brannte die Kirche aus und in der Zeit der DDR wurden die Überreste des Sakralbaus entgültig entfernt. Es entstand neu: Das Haus der Lehrer. Nach tiefgreifendem Umbau sehen wir heute den Katharinenturm - ein modernes Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum Magdeburgs. Besichtigen konnte man die oberste Etage, das 11. Obergeschoss: Die Konferenzetage gab einen beeindruckenden Blick über der Stadt Magdeburg frei. Während das Design der Innenräume eher um zurückhaltende und harmonische Eleganz bemüht ist, verkörpert die Fassade bei Einbruch der Dunkelheit einen lauten und auffallenden Charakter. Da die Besichtigung tags stattfand, habe ich leider keine entsprechenden Fotos dazu. Auf der Internetpräsenz des Bauwerks liest man aber von insgesamt 16.000 LED's, die das Hochhaus bei Nacht illuminieren. Und das tun sie - Weiß, Violet, Grün... Ein Schwerpunkt beim Umbaukonzept war die Thematik mit den Loggien in den Eckbereichen. Diese verdrehen sich von Geschoss zu Geschoss. Wie eine Ziharmonika falten sich die großen Fensterkonstrukionen - in zwei Ebenen: innen und außen - zur Seite und öffnen damit den Raum nach außen bzw. holen das "Draußen" herein. (li. Johanniskirche, re. Breiter Weg und am Horizont der Magdeburg Dom)

Deutscher Stahlbau. Gut beraten.Deutscher Stahlbau. Gut beraten.

Wirtschaftspark Breitensee, Wien 14

Bericht von HOLODECK architects:

Die im 14. Bezirk traditionelle Bauform mit gemischter Nutzung aus Wohnungen und Gewerbebetrieben wird am Baukomplex „Wirtschaftspark Breitensee“ Ecke Goldschlagstraße/Missindorfstrasse aufgegriffen und in gekonnter Weise zeitgemäß umgesetzt. In drei Bauphasen entstand hier als Resultat eines geladenen Wettbewerbs der Wien Holding, aus dem HOLODECK 2007 als Sieger des städtebaulichen Leitprojektes hervorging, ein überaus ambitioniertes Projekt. Für produzierende Betriebe und Unternehmen aus dem Umfeld der „Creative Industries“ sind hier Werkstätten, Ateliers und Büros rund um einen gewerblich hochwertig nutzbaren Innenhof mit LKW Durch- und Zufahrt , Ladezonen und Parkplätzen entstanden. Das Konzept ging bereits erfolgreich auf, ein großer Teil der Mietobjekte ist bereits in der Bauphase vergeben! Den nördlichen Abschluss der Anlage bildet ein Wohnbau von Fasch&Fuchs.

© archiv HOLODECK architects


Unter Einbindung eines bestehenden, für industrielle Nutzung des 19. Jahrhunderts typischen Ziegelbaus, setzten HOLODECK ein souveränes Zeichen für den gesamten Häuserblock. Bereits in der ersten Bauphase wurde der Ausbau eines ebenfalls bestehenden, angrenzenden Gebäudes zu  Büroräumlichkeiten - darunter das Fernsehstudio „okto“ - und das rundum verglaste, direkt neben der Einfahrt liegende Café „barista 14“ realisiert. In zwei weiteren Bauphasen wurde der Masterplan der Architekten baulich umgesetzt.

Von dem bestehenden Industrieziegelbau in der Goldschlagstrasse ausgehend schmiegen sich die neuen Bauteile an die alten und bilden in spiralartiger Folge einen perfekt integrierten Gesamtkomplex. Kühn über dem Ziegelgebäude schwebt ein fröhlich belebter Dachaufbau, der mit einer 90°-Wende zu einem eigenständigen Neubau wird, mit einem nochmaligen Schwenk den großen Innenhof umschliesst und sich zu einer komplexen Betriebsbebauung vervollständigt. Die Stahlkonstruktion des Dachaufbaus ist in Leichtbauweise gefertigt, konstruktiv wurde hier auf den Bestand ein Stahlbetonkranz aufgelegt, den über der bestehenden Durchfahrt zusätzliche Stahlfachwerke zur Lastverteilung unterstützen. Farblich passen sich die Weiss- und Grün /Grautöne der neuen Bereiche dem östlichen Nachbargebäude aus den 1960er Jahren - einem Betriebsgebäude mit grossflächigen Profilitverglasungen - an. Eine weitere interessante Lösung wurde als Anschluss zum westlichen Nachbargebäude gefunden, wo sich ein eingeschossiges Trafogebäude, das nicht abgerissen werden darf, befindet. Der neue Dachaufbau dockt an das nächste Gebäude an, den zwischen Dachgeschoss und Trafogebäude entstehenden Leerraum nutzten die Architekten für Glasboxen / Wintergärten und Terrassen, die aus dem Backsteinbau kragen.

Wirtschaftspark Breitensee - Wien 14

Aus der PLanung

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© archiv HOLODECK architects


Der Aufbau der strassenseitigen Fassade besteht aus einer Pfosten-Riegel-Stahlkonstruktion, die für das Projekt eigens entwickelt wurde und wie ein regalartiges Möbelstück mit verschiedensten Ausfachungen bestückt ist. Zwischen den weisslackierten Metallstreben sind in unregelmäßiger Reihenfolge Sonnenschutzglas, transluzente, weiße Füllungen / Kaillarglas und Metallpaneele eingesetzt, wodurch ein äusserst lebendiges Fassadenbild von Aussen entsteht, das auch von Innen besonders reizvolle Stimmungen erzeugt. Die Kleinteiligkeit der handwerklich mit Schraubverbindungen gefertigten Fassadenelemente wirkt angenehm und verleiht den Räumen edlen Charakter. Lochblechelemente mit dahinterliegenden Akustikplatten ergänzen die Ausfachungen auf der Innenseite.

Das Konzept des Innenausbaus der loftartigen Büroräumlichkeiten im Neubau ist ganz an die Ästhetik von Lagerhallen und historischen Produktionsstätten angelehnt, jedoch mit modernen Standards bereichert und technisch zeitgemäß ausgeführt. Das System ist, eine funktionierende Grundstruktur bereitzustellen, die als solche auch sichtbar bleiben soll. Um Raumhöhe zu gewinnen und das industrielle Flair zu verstärken, wurden weder abgehängte Decken noch doppelte Böden vorgesehen. Die Unterzüge sind sichtbar, alle Leitungen und Verkabelungen außen freiliegend geführt und lediglich mit weißer Deckenfarbe gespritzt, was eine genaue Logistik der Installationsführung und optische Auswahl der Kabelmaterialien sowie deren Montagevorrichtungen zur Folge hatte. Die Stiegenläufe sind aus Fertigteilen, die Bodenbeläge aus Monobetonplatten, die je nach Bereich mit unterschiedlichem Farbton versehen sind. Freistehende Boxen  mit schallabsorbierenden Verkleidungen dienen als Rückzugsnischen und Besprechungsräume in den offenen Lofts. Gemeinschaftliche Räume , wie Küchen, ein Sozialraum mit einem grossen, glasüberdachten Atrium im Obergeschoss, ein Seminarraum im Erdgeschoss und Sanitärgruppen beim Stiegenhaus ergänzen die Ausstattung.

Im Dachaufbau über dem bestehenden, straßenseitigen Ziegelbau stehen 10 Einheiten, davon 8 Maisonetten und 2 eingeschossige Lofts zur erweiterten Ateliernutzung zur Disposition. Hier sind die Fußböden beheizt und Oberflächen beschichtet.

Die Architekten betonen die besonders gute Zusammenarbeit mit der Wien Holding als Eigentümer und Entwickler, die die Realisierung des Projektes vom städtebaulichen Konzept bis zur Fassade begleitet und unter Beibehaltung des Grundkonzeptes ermöglicht haben.

Fassade
  1. Selbsttragende Pfosten-Riegel-Fassade
  2. Verspringende Pfosten
  3. eigens entwickeltes Tragsystem aus Lasergeschweißten Profilen, mit sichtbaren Schraubverbindungen -> Gewerbehof
  4. Unterschiedliche Proportionen reagieren auf Bestandsobjekte Hofseite Übernahme der pp2 Proportion; Strassenseite: größere Proportionen in Anlehnung an Projektphase pp1a (liegende Fassade) und Gründerzeitbestand.
  5. Bestückung mit Aluminiumkassetten (pulverbeschichtet, innen Schallabsorber) und transparenten und transluzenten Einsatzelementen (Okalux, Kapillareinlage)
  6. Sonnenschutz mit Innenliegenden Aluminiumlamellen (im Glaszwischenraum)
  7. Raumakustik Lochdecke
Atelier / Maisonetten:
  1. zwei-geschossige Büro und Ateliernutzung mit Wohnmöglichkeit im DG
  2. im 3.OG Besp. Raum, Sanitär, Teeküche und Büroarbeitsplätze
  3. Heizung über Fussbodenheizung
  4. Sichtbarer Stahlbau teilweise mit Brandschutzanstrich – wo Stahlbau nicht sichtbar Trockenbauwände (Brandschutzkapselung des Stahlbaus)

Aktuelle Projekte | Projektarchiv

Standort
14. Bezirk
Goldschlagstrasse 172
1140 Wien

Bauherr
Wien Holding GmbH, 1010 Wien

Architekt
HOLODECK architects
Friedrichstrasse 6
1010 Wien

Telefon: +43-1-5248133 - 0
Fax: +43-1-5248133 - 4
vienna@holodeckarchitects.com
www.holodeckarchitects.com

Projektleitung
Arch. DI. Marlies Breuss,
Arch. DI. Michael Ogertschnig

Gesamtprojektsteuerung GP
Arch. di. michael ogertschnig

Leitung Rohbau +Hülle BS
Dipl.ing. hannes zergoi
Arch. niels merschbrock
Dipl.ing. johannes müller

Mitarbeiter an diesem Projekt
Christian mörtl, Jiri huske, Dipl.ing. Carolin Saile, Dipl.ing. Sven Klöcker, Stefanie Gänger, Dipl.ing. Robert Pippan, Kieu Giang Hoang, Karolina Wolny, Pascal Tenczhert

Renderings
laublab

Sonstige Spezialplaner
Tragwerksplanung, ÖBA
CD Consult

Haustechnik, Bauphysik
Vasko + Partner

Renderings
laublab

Innenraumdesign Veranstaltungstätte
HOLODECK architects

Bauübergabe
Wirtschaftspark: 09/13
Breitensee studios: 04/13

Foto Seitenkopf (Ausschnitt)
© archiv HOLODECK architects