Dipl.-Ing. Ronald Kocker
Konstruktiver Stahlbau
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Tag der Architektur'14 . Katharinenturm
Bevor ich meine Entdeckungen des diesjährigen "Tag der Architektur" vergangenes Wochenende zeige, möchte ich - längst überfällig - ein Objekt in Magdeburg vorstellen, welches letztes Jahr (Sommer 2014) seine Türen öffnete zum Motto "Architektur bewegt". Am letzten Juniwochenende im Jahr findet nahezu bundesweit dieser besondere Tag statt. Hier kann sich jeder Architektur- oder Kulturinteressierte einzelne Objekte in zahlreichen Städten ansehen und sich dazu die Geschichten und Intentionen der Projektbeteiligten anhören. Im vergangenen Jahr stand das Logistik- und Verwaltungszentrum GUNZ und der "Katharinenturm" - beides in Magdeburg - auf meinem Laufzettel. Der Katharinenturm ...ist eine kleine Sehenswürdigkeit in unserer Domhauptstadt in Sachsen-Anhalt. Nicht so berühmt wie der Dom selbst, das Hundertwasserhaus oder der Elbauenpark, jedoch voll gepackt mit Geschichte und Leben. Anstelle des heutigen Wohn- und Geschäftshauses stand einst die Kirche St. Katherinen. Im Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges brannte die Kirche aus und in der Zeit der DDR wurden die Überreste des Sakralbaus entgültig entfernt. Es entstand neu: Das Haus der Lehrer. Nach tiefgreifendem Umbau sehen wir heute den Katharinenturm - ein modernes Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum Magdeburgs. Besichtigen konnte man die oberste Etage, das 11. Obergeschoss: Die Konferenzetage gab einen beeindruckenden Blick über der Stadt Magdeburg frei. Während das Design der Innenräume eher um zurückhaltende und harmonische Eleganz bemüht ist, verkörpert die Fassade bei Einbruch der Dunkelheit einen lauten und auffallenden Charakter. Da die Besichtigung tags stattfand, habe ich leider keine entsprechenden Fotos dazu. Auf der Internetpräsenz des Bauwerks liest man aber von insgesamt 16.000 LED's, die das Hochhaus bei Nacht illuminieren. Und das tun sie - Weiß, Violet, Grün... Ein Schwerpunkt beim Umbaukonzept war die Thematik mit den Loggien in den Eckbereichen. Diese verdrehen sich von Geschoss zu Geschoss. Wie eine Ziharmonika falten sich die großen Fensterkonstrukionen - in zwei Ebenen: innen und außen - zur Seite und öffnen damit den Raum nach außen bzw. holen das "Draußen" herein. (li. Johanniskirche, re. Breiter Weg und am Horizont der Magdeburg Dom)

Deutscher Stahlbau. Gut beraten.Deutscher Stahlbau. Gut beraten.

»SUCHST DU NOCH ODER PARKST DU SCHON?«

Kernsanierung und Erweiterung Parkhaus P8 am Konrad-Adenauer-Platz, Bochum.

Qualität der Gestaltung
Das in den 1960er Jahren im Stahlbeton-Fertigteilsystem errichtete innerstädtische Parkhaus im BERMUDA3ECK Bochums beinhaltet auf rd. 25.000 m² über vier Parkebenen 575 PKW-Stellplätze sowie erdgeschossig, zur Fußgängerzone an der Kortumstraße, vier Gaststätten und, nach Erweiterung, ein neues Ladenlokal mit großer Dachterrasse am Konrad-Adenauer-Platz.

Parkhaus P8 Bochum Zeichnungen

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© Archwerk


Die Herausforderung der Entwurfsaufgabe bestand, neben der Kernsanierung der vier Parkebenen, in der optischen Aufwertung der Parkhausfassade zur Kortumstraße als wesentlicher Bestandteil des bochumer Ausgehviertels BERMUDA3ECK sowie in der städtebaulichen Gestaltung und Neuordnung der Gebäudespitze am Konrad-Adenauer-Platz.

Die beschriebene Entwurfsaufgabe wurde im Wesentlichen mittels einer neuen gestaffelten Glasfassade mit neuartiger dichromatischer Folie der Firma 3M sowie mit einem Rundbau – Durchmesser: 26,0 Meter - als Gebäudeerweiterung und neuem städtebaulichen Hochpunkt am Konrad-Adenauer-Platz beantwortet.

Parkhausfassaden entlang der Bahngleise sowie zum benachbarten Kino wurden saniert und originalgetreu in der Architektursprach der 1960er Jahre instandgesetzt.

Im Sinne des Genius Loci des Ruhrgebietes erhielt der neue Rundbau am Konrad-Adenauer-Platz eine rd. 10 Meter hohe Stahlkonstruktion. Vergleichbare Konstruktionen aus dem vergangenen Jahrhundert, beispielsweise auf der Zeche Zollverein in Essen, waren hierbei Entwurfs- und Konstruktionsvorbilder. Der entstehende Raum über dem Konrad-Adenauer-Platz, ursprünglich als gastronomische Ergänzung der umliegenden Gaststätten geplant, wird ab April 2012 einen Skatepark beherbergen, der überregionale Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll und die Subkultur des BERMUDA3ECKs symbiotisch ergänzt.


Funktionalität
Die Verkehrsführung der vier Parkebenen wurde im Rahmen der Kernsanierung optimiert und um zwei neue Rampenanlagen im Gebäudebestand ergänzt. Ein- und Ausfahrtsbereich im Erdgeschoss wurden ebenfalls optimiert, neu geordnet und gemäß den aktuellen Richtlinien dimensioniert und gestaltet. Das Farbkonzept der Parkebenen beschränkt sich bewusst auf weiß und schwarz, ergänzt durch Farbakzenten im Treppenhausbereich, als Wiedererkennung und Orientierung für Parkkunden im Gebäude.

Nachhaltigkeit
Das Gebäude liegt im Herzen des Ausgehviertels BERMUDA3ECK und im gerade neu entstehenden VIKTORIAQURTIERBOCHUM, das in den kommenden Jahrzehnten mit einem neuen Musikzentrum für die Bochumer Symphoniker sowie Kleinkunstplattformen, Ateliers für Kunst und Musik und neuem innerstädtischen Wohnen für Jung und Alt mit Leben gefüllt wird.

Ein neuer städtebaulicher Hochpunkt im Sinne des Genius Loci des Ruhrgebietes als neues Wahrzeichen des Viertels, eine Skatepark, Gaststätten und 575 PKW-Stellplätze bieten für die nächsten Jahrzehnte Grundlage und Substanz für das Ausgehviertel BERMUDA3ECK und das neue Kreativviertel VIKTORIAQURTIERBOCHUM.


Städtebaulicher Kontext
Das viergeschossige Parkhaus mit dem am Kopf erweiterten neuen Rundbau schmiegt sich zwischen Bahn-, U-Bahntunnel und S-Bahn-Gleisanlagen, in das Ausgehviertel »BERMUA3ECK« der Innenstadt Bochums ein und bildet nunmehr, neben dem benachbarten »HANDELSHOF« eine ergänzende städtebauliche Figur und Kante am Konrad-Adenauer-Platz.

Nutzerakzeptanz und Partizipationsmöglichkeiten
Das Gebäude wird von zwei verschiedenen Nutzergruppen wahrgenommen und benutzt: Parkkunden der Innenstadt Bochums und Gaststättengäste des BERMUDA3ECKs. Für Parkkunden wurden die vier Parkebenen benutzerfreundlich, übersichtlich und hell gestaltet, für Gaststättengäste wurde der innerstädtische Raum im Bereich der Kortumstraße mit beschriebener Glasfassade und im Bereich des Konrad-Adenauer-Platzes mit Rundbau und Stahlkonstruktion aufgewertet und von einem ehemaligen Un-Ort zu einem innerstädtischem Ort mit Aufenthaltsqualität gemacht.

Ökologie, Energieeffizienz, Klimaschutz
Bauordnungsrechtlich und baukonstruktiv ist die Großgarage als offene Garage mit natürlicher Belüftung konzipiert und kernsaniert, so dass aufwendige Lüftungsanlagen entfallen konnten. Neue Bauteile, wie die gestaffelte Glasfassade am Parkhausbestand im Bereich der Kortumstraße, sind geometrisch der Art ausgelegt, dass die geforderte natürliche Belüftung gewährleistet und thermisch unterstützt wird. Technische Gebäudeausrüstungen wie Elektrotechnik und Heizanlagen wurden vollständig rückgebaut, erneuert und entsprechen dem neuesten Stand der Technik. Elektrostromkreise in Fassadenbereichen  werden im Tagbetrieb des Parkhauses intelligent abgeschaltet, um unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden.

Aktuelle Projekte | Projektarchiv

Architekten
Archwerk Generalplaner KG
www.archwerk.org

Bauherr
Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH

Foto Seitenkopf (Ausschnitt)
© Archwerk