Dipl.-Ing. Gregor Machura
Stahlbautechnik
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ILEK Exkursion Chicago 2016
Hochhäuser werden unweigerlich die Zukunft des innerstädtischen Bauens darstellen. Auf Grund des Anstiegs der Weltbevölkerung und des zunehmenden Wachstums der Millionenstädte wird dichtes Bauen notwendig und immer gefragter. Im Wintersemester 2016/17 werden 10 Studierende der Architektur am Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart einen Hochhaus Entwurf bearbeiten, um sich dieser Thematik anzunehmen. Da Chicago die Geburtsstätte der Gebäudetypologie Hochhaus darstellt, bietet es sich an, das Planungsgrundstück dort anzusetzen und die Recherchephase mit einer Exkursion zu verbinden. Das besondere dabei wird sein, dass auch Studierende des Bauingenieurwesens dabei sein werden, denn Interdisziplinarität ist besonders bei solch großen Bauprojekten essentiell. Zusammen mit der 17-köpfigen Studierendengruppe werden zwei Mitarbeiter des ILEK eine 9-tägige Exkursion im Oktober 2016 unternehmen. Dabei werden wir uns nicht nur der Geschichte des Hochhausbaus widmen, sondern auch neueste Entwicklungen erfahren, sowie die Beziehung zu der Architekturfakultät der Northwestern University weiter vertiefen. Gemeinsame Vorlesungen, Besprechungen sowie ein zusammen organisiertes Symposium werden dabei eine große Rolle spielen. Des weiteren sind Baustellenbesichtigungen und Besichtigungen einiger Architektur- und Ingenieurbüros geplant, wie z.B. zu Helmut Jahn, SOM oder Gill+Smith. Über den Verlauf der Exkursion werden wir auf diesem Blog live berichten und bedanken uns bereits vorab für die freundliche Unterstützung unserer Sponsoren, allen voran: Bauforumstahl.

Deutscher Stahlbau. Gut beraten.Deutscher Stahlbau. Gut beraten.

Olympiastadion Berlin – Tribünenüberdachung

Laudatio zum Preis des Deutschen Stahlbaues 2004

Der Deutsche Stahlbaupreis 2004 wird an ein Bauwerk vergeben, das sich als weitgespanntes Dachtragwerk eines Stadions in einem klassischen Anwendungsgebiet des Baustoffes Stahl wiederfindet.

Einzigartig bzw. besonders an dem Projekt der Architekten gmp und der Ingenieure Krebs und Kiefer beim Umbau des Berliner Olympiastadions ist das Zusammenführen einer Vielzahl Einfluss nehmender Parameter aus Sport, Denkmal und deutscher Geschichte, die in ein stimmiges und ausgewogenes Gesamtkonzept umgesetzt wurden.

Unter Einbeziehung unterschiedlichster, denkmalpflegerischer Anforderungen entsteht zunächst einmal wieder ein großes Stadion, das allen heutigen Anforderungen an eine funktionierende Sportstätte internationalen Standards entspricht.

Dem in vielerlei Hinsicht „schweren“ Stadion-Denkmal im Sockelbereich wird ein „leichtes“ Dach überstellt. So löst sich der Innenbereich lichtdurchflutet auf mit Hilfe entsprechender Glaskonstruktionen und weißen, fast entmaterialisierten, lichtdurchlässigen, teflonbeschichteten Membranen.


Olympiastadion Berlin – Tribünenüberdachung

Pläne

© gmp


Zusammen kommen Alt und Neu lediglich im Bereich von 16 Baumstützen, die im Zuschauerbereich angeordnet werden mussten, und einer durchlaufenden Stützenreihe im Kronenbereich der denkmalgeschützten Außenfassade. Räumlich entsteht eine weitestgehend entmaterialisierte Fuge, eine Inszenierung des respektvollen Abstandes zwischen dem alten Sockel und der neuen Dachkonstruktion – durfte die historische Fassade des Sockels doch nicht durch neue Konstruktionselemente verstellt oder ergänzt werden! Im westlichen Bereich des Marathontores führten ähnlich anspruchsvolle Auflagen zu hohen konstruktiven Anforderungen an die Dachkonstruktion – die Forderungen nach einer kompletten Öffnung zur historischen Sichtachse des Glockenturmes untersagten herkömmliche Konzeptionen von durchlaufenden Zug- und Druckringen.

Diese übergeordneten städtebaulichen sowie aus dem Denkmalschutz begründeten Parameter führten zu einer eher materialintensiven Stahlkonstruktion. Trotzdem tritt das Dachtragwerk angesichts seiner wunderbar leicht und textil wirkenden Verkleidung nicht als primär gestalterisches, wirksames Element in den Vordergrund.
Die Auskragung zum Stadion-Innenbereich wurde durch Auflast mit Betonballast im Randbereich ausgeglichen.


Auch wenn das architektonische Konzept – für sich betrachtet – durchaus in jeweiligen Teilaspekten Potential beinhalten mag, in entsprechenden Fachrubriken diskutiert zu werden, ist die Jury beeindruckt von der Synthese aus Alt und Neu.

Durchaus innovativ in der Bewältigung der unterschiedlichsten Belange entsteht ein neues Ganzes, ohne dass das alte Stadion nebst seinem „historischen Erbe“ dabei zugedeckt wird. Im Zusammenspiel von „beladenem“ Sockel und leichtem, ruhigem Dach wird, ohne die Geschichte auszublenden, eine Konzentration und räumliche Spannung erzeugt auf das, was der Bau erfüllen soll: die Funktion einer Sportarena!

Aktuelle Projekte | Projektarchiv

Preis des Deutschen Stahlbaues 2004

Architekten
gmp – von Gerkan, Marg und Partner Architekten, Berlin

Ingenieure
Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH, Darmstadt

Schlaich, Bergermann und Partner, Stuttgart

Foto Seitenkopf (Ausschnitt)                          © gmp