Büro West - Brandschutz
06.10.2012
Parkhäuser der 60er und 70er Jahre weiterdenken
Viele Parkhäuser, vor allem der 1960er und 70er Jahre, werden heute als Fremdkörper oder „tote Punkte“ im öffentlichen Raum der Innenstädte wahrgenommen. Grund dafür ist im Wesentlichen ihre monofunktionale Nutzung als gestapelte Stellflächen für Autos, die oft sogar das Erdgeschoss einnehmen. Hier unterscheiden sich diese Parkhäuser von ihren zum Teil vorbildlichen Vorgängern der 50er Jahre, in denen häufig Restaurants, Läden oder Werkstätten im Erdgeschoss untergebracht sind.
Die Nutzung eines hochwertigen Innenstadtgrundstücks, sogenannter „prime spaces“, durch ein Parkhaus gilt mittlerweile als unwirtschaftlich, zumal vor allem die Einzelhandelsmieten in guten Lagen in den letzten Jahren stark angestiegen sind. Neue Parkflächen werden daher heutzutage vor allem unterirdisch gebaut. Um so wichtiger ist es, die bestehenden Parkhäuser mit den vorgenannten Defiziten grundsätzlich zu untersuchen, um einerseits die immobilienwirtschaftlichen Aspekte besser zu berücksichtigen und dabei andererseits eine Aufwertung für das Quartier und das Objekt zu erreichen.
Die Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hat sich zusammen mit dem Deutschen Architekturmuseum und der Unternehmensgruppe NH in Kooperation mit bauforumstahl diesen Themenkomplex als Forschungsprojekt ausgewählt. Zu seiner Bearbeitung waren fünf Teams aus unterschiedlichen Bereichen eingeladen, während einer Werkstattwoche im Deutschen Architekturmuseum Probleme und Chancen solcher Parkhäuser zu untersuchen.
Die Aufgabe
Anhand eines konkreten Beispiels, des Karstadt-Parkhauses in Frankfurt, Brönnerstraße 6, sollen folgende Fragen untersucht werden:
- Wie lässt sich ein solches Parkhaus besser in die Umgebung integrieren? Dabei sollen die Möglichkeiten zusätzlicher oder alternativer Nutzungen, vor allem im Erdgeschoss und in den Bereichen, die von PKW – Fahrern eher gemieden werden, sowie auf dem Dach untersucht werden. Teil der Überlegungen der Planer/ Künstler ist auch die Fassadengestaltung, u.a. mit Überlegungen zu vertikalen und horizontalen Bepflanzungen.
- Welche Maßnahmen sind möglich, um die durch die Autos verursachte Luftverschmutzung und Belastung des Baumaterials durch Schadstoffe zu reduzieren?
- Wie könnte der Luftraum über dem Parkhaus mit einer neu zu schaffenden Ebene oder Struktur, die die Außenkanten des Parkhauses in Form von Auskragungen in den Straßenraum auch deutlich überschreiten darf, sinnvoll für Wohnen/ Arbeiten/ Freizeit genutzt werden? Hierbei wird untersucht, wie die Konstruktion des Parkhauses eine zusätzliche Last, etwa in Form einer Leichtbaukonstruktion auf einem Stahlgitter-Rost, statisch möglich ist. Denkbar ist z.B., dass durch die Einfügung alternativer Nutzungen mit weniger Gewicht an bestimmten Stellen statische Entlastungen erreicht werden können, die zusätzliche Lasten auf dem Baukörper ermöglichen.
Es soll jedoch stets deutlich gemacht werden, dass der Zweck der Werkstattwoche in der hypothetischen und experimentellen Behandlung dieser Fragestellungen besteht und auf ähnliche Situationen an anderen Orten übertragbar sein soll. Keinesfalls sollen konkret umsetzbare Entwürfe in der Art eines Ideen- oder gar Realisierungswettbewerbs entstehen, sondern vielmehr neue Impulse und Denkanstöße gegeben werden. Sie sollen bei Politikern, Wohnungsbaugesellschaften, Stadtplanern und Investoren Interesse wecken: zum einen an neuen und vielleicht ungewöhnlichen Wegen zur Steigerung der Attraktivität der Innenstädte, zum anderen an intelligenten Nachverdichtungskonzepten. Auch könnten sie Eigentümern solcher Parkhäuser als Anstoß dienen, ihrerseits interdisziplinäre Ideenwettbewerbe auszuloben.
Prof. Anne-Julchen Bernhardt, BeL Architekten, Köln
Prof. Jo Eisele, TU Darmstadt
Folke Köbberling, Künstlerin, Folke Köbberling / Martin Kaltwasser, Berlin
Marc Pouzol, Véronique Faucheur, Laurent Dugua, Nil Lachkareff, Landschaftsarchitekten, atelier le balto, Berlin / Le Havre
Christian Veddeler, Associate Director, UN Studio, Amsterdam
Diesen Expertinnen und Experten war freigestellt, bis zu vier Teammitglieder zur Teilnahme einzuladen.
Veröffentlichung der Ergebnisse
Ab Sonntag, 7. Oktober, werden die Arbeiten zwei Wochen lang im DAM präsentiert. Dabei soll keine aufwendige Ausstellung installiert werden, sondern der Charakter des Arbeitsplatzes bestehen bleiben, so dass der Besucher Einblick in die Arbeitsweise und –atmosphäre der Planer erhält.
Zudem ist beabsichtigt, die Arbeitsergebnisse in einem Buch zu publizieren. Darin sollen auch Texte von Experten aus den Bereichen der Immobilienökonomie, der Wohnungsbauunternehmen, des BMVBS sowie von Soziologen, Kunstkritikern etc. enthalten sein.
In Bochum wird das wie folgt gelöst mehr
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
Tel 069-212 38844
Fax 069-212 37721
Fax 069-212 36386
Email info.dam@stadt-frankfurt.de
www.dam-online.de
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