Dipl.-Ing. Hans-Werner Girkes
Brandschutz
Stahlbau Verlag Shop

Tag der Architektur'14 . Katharinenturm
Bevor ich meine Entdeckungen des diesjährigen "Tag der Architektur" vergangenes Wochenende zeige, möchte ich - längst überfällig - ein Objekt in Magdeburg vorstellen, welches letztes Jahr (Sommer 2014) seine Türen öffnete zum Motto "Architektur bewegt". Am letzten Juniwochenende im Jahr findet nahezu bundesweit dieser besondere Tag statt. Hier kann sich jeder Architektur- oder Kulturinteressierte einzelne Objekte in zahlreichen Städten ansehen und sich dazu die Geschichten und Intentionen der Projektbeteiligten anhören. Im vergangenen Jahr stand das Logistik- und Verwaltungszentrum GUNZ und der "Katharinenturm" - beides in Magdeburg - auf meinem Laufzettel. Der Katharinenturm ...ist eine kleine Sehenswürdigkeit in unserer Domhauptstadt in Sachsen-Anhalt. Nicht so berühmt wie der Dom selbst, das Hundertwasserhaus oder der Elbauenpark, jedoch voll gepackt mit Geschichte und Leben. Anstelle des heutigen Wohn- und Geschäftshauses stand einst die Kirche St. Katherinen. Im Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges brannte die Kirche aus und in der Zeit der DDR wurden die Überreste des Sakralbaus entgültig entfernt. Es entstand neu: Das Haus der Lehrer. Nach tiefgreifendem Umbau sehen wir heute den Katharinenturm - ein modernes Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum Magdeburgs. Besichtigen konnte man die oberste Etage, das 11. Obergeschoss: Die Konferenzetage gab einen beeindruckenden Blick über der Stadt Magdeburg frei. Während das Design der Innenräume eher um zurückhaltende und harmonische Eleganz bemüht ist, verkörpert die Fassade bei Einbruch der Dunkelheit einen lauten und auffallenden Charakter. Da die Besichtigung tags stattfand, habe ich leider keine entsprechenden Fotos dazu. Auf der Internetpräsenz des Bauwerks liest man aber von insgesamt 16.000 LED's, die das Hochhaus bei Nacht illuminieren. Und das tun sie - Weiß, Violet, Grün... Ein Schwerpunkt beim Umbaukonzept war die Thematik mit den Loggien in den Eckbereichen. Diese verdrehen sich von Geschoss zu Geschoss. Wie eine Ziharmonika falten sich die großen Fensterkonstrukionen - in zwei Ebenen: innen und außen - zur Seite und öffnen damit den Raum nach außen bzw. holen das "Draußen" herein. (li. Johanniskirche, re. Breiter Weg und am Horizont der Magdeburg Dom)

Deutscher Stahlbau. Gut beraten.Deutscher Stahlbau. Gut beraten.

adidas Laces, Herzogenaurach

Preis des Deutschen Stahlbaues 2014
Auszeichnung

Architekt: kadawittfeldarchitektur, Aachen
Ingenieur: Weischede, Herrmann und Partner wh-p GmbH Beratende Ingenieure, Stuttgart
Stahlbau: Christmann & Pfeifer (C+P Industriebau GmbH & Co. KG) (Fachwerkkonstruktion), Prebeck Stahlbau (Verbindungsbrücken, Membrandach)
Bauherr: adidas AG, World of Sports, Herzogenaurach

Laudatio
Das Bürogebäude „Laces“ ist ein schwebendes, klar konturiertes Volumen, dessen Büroflächen in abgewinkelten Riegeln um ein zentrales Atrium organisiert sind. Das primäre Stahltragwerk ermöglicht offene und transparente Raumbeziehungen, ohne die bei Bürogebäuden üblichen Abschottungen nach Funktionsbereichen. Mit gebäudehohen Fachwerken können bis zu 60 Meter frei überbrückt und der Innenraum mit dem Außenbereich barrierefrei verbunden werden. Die „Laces“ stellen die am Atriumdach abgehängten extrem schlanken Fußgängerbrücken dar.

Solch ein ambitioniertes Tragwerkskonzept ist nur in Stahlbauweise möglich. Mit Hilfe von sichtbaren Stahltragwerken wird eine zukunftsweisende, spannende Bauart aufgezeigt. Die üblichen Restriktionen konventioneller Konstruktionen werden so in Frage gestellt: wunderbar.

Bericht von Christmann & Pfeifer:
adidas Laces bei Christmann & Pfeifer

Tausend Tonnen Präzision – Umsetzung der Entwurfsideen der Architekten in Stahl

Der Terminus „Kreative Verknüpfungen“, der aus dem Buch „Arbeitende Orte“ von Angelika Fitz und dem Büro kadawittfeldarchitektur stammt, ist sicher DAS Stichwort für diese besondere Baustelle. Denn bei „adidas laces“, dem neuen Design-, Forschungs- und Strategiezentrum auf dem „World of Sports“-Campus des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach, ziehen sich die kreativen Verknüpfungen vom Produkt des Bauherren über den Entwurf der Architekten bis hin zur Ingenieur- und Montageleistung, die man in dem Fall nun wirklich nicht 08/15, sondern im hohen Maße kreativ nennen kann. Die Anforderungen an Architekten und Ingenieure waren aber auch entsprechend hoch.

Dass ein Bürogebäude für rund 1700 Arbeitsplätze und dem Imageanspruch eines so global aufgestellten Unternehmens wie adidas ein gewisses Volumen einnimmt, versteht sich von selbst. Dass der Koloss von 62.000 Quadratmetern und Abmessungen von 280 x 100 x 26 Meter (l x b x h) trotzdem eine gewisse Leichtigkeit sowie eine hohe Innenraumqualität besitzt, ist dem Entwurf der Architekten zu verdanken. Die von kadawittfeldarchitektur entwickelte ringförmige Gebäudestruktur ermöglicht einen zweifachen Landschaftsbezug der Büros – sowohl zur Umgebung als auch zur Landschaft des Atriums und macht das Gebäude durch und durch hell und von Licht durchdrungen. Die das Atrium überspannenden Verbindungsstege „schnüren" den Baukörper gleichsam zusammen und waren namensgebend: „Laces“ bedeutet „Schnürbänder“ und spielt so gleichzeitig auf die adidas Produkte an. „Einschnürend“ im übertragenen Sinne sind diese Stege keineswegs, denn sie ermöglichen eine effiziente Erschließung aller Bürobereiche, ohne fremde Abteilungen kreuzen zu müssen. Die Einschnürungen ergeben gleichzeitig einen Knick des Grundrisses. So wird die Fassadenflucht des Gebäuderings unterbrochen und aufgelöst, was das Gebäude weniger massiv und riegelartig wirken lässt. Herzstück des Gebäudes ist das Atrium, ein wunderbar belebter, identitätsstiftender Kreativ-Raum. Auch hier wird der von den Architekten beabsichtigte Innen-Außenbezug erlebbar: der dreigeschossige Eingangsriegel liegt brückenartig über dem Gebäudeeingang und lässt so die Landschaft scheinbar ungehindert in den Raum fließen. Durch diese Konstruktion wird ein besonderer Effekt möglich: die Eingangsfront kommt ohne weitere stützende Elemente aus. Im Atrium stehend lässt sich das Ende des Innenraums und der Anfang des Außen gar nicht genau wahrnehmen, Innen und Außen überlagern sich und schaffen so eine Ganzheitlichkeit der Gegensätze.

© Werner Huthmacher | kadawittfeldarchitektur


Dieser Effekt und die Leichtigkeit, die das Gebäude insbesondere im Atrium transportiert, ist nicht selbstverständlich, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Eingangsriegel um eine über 1000 Tonnen schwere „Gebäudebrücke“ handelt, ca. 100 Meter lang und 12,5 Meter hoch, dafür vorgesehen, später drei Bürogeschosse aufzunehmen, und mit Auskragungen sowohl in Längs- als auch in Querrichtung von bis zu 20 Metern. Wenn man die Herausforderungen, die eine solche Konstruktion naturgemäß mit sich bringt, also die unterschiedlichen Verformungen der Gesamtkonstruktion, in Verbindung mit einer Glasfassade und einer möglichst toleranzfreien Glasfront unter dem Riegel sieht, ist der Terminus „Kreative Verknüpfung“ keine nette Spielerei mehr, sondern dringende Notwendigkeit.

Das eindeutige Mittel der Wahl ist selbstverständlich Stahl. Die buchstäblich tragende Rolle übernehmen in dieser spannenden Architektur neben vielen Querträgern zwei ca. 12 Meter hohe, knapp 500 Tonnen schwere Stahlfachwerkträger von Christmann & Pfeifer. Diese wurden im Abstand von ca. 9 Meter auf eine massive Konstruktion aufgelegt, wobei der kleinere, immerhin 100 Tonnen schwere Träger den inneren Abschluss zum Atrium bildet und das große Fachwerk quasi innerhalb der Gebäudebrücke liegt, woran sich bis zur äußeren Gebäudekante noch Auskragungen anschließen. Um die Geschossdecken aufzunehmen, wurden zwischen den Fachwerkträgern Querträger ebenfalls mit einem Gesamtgewicht von knapp 500 Tonnen im Abstand von ca. 4,8 Meter eingebaut, die auf einer Seite ca. 6,5 Meter auskragen und dementsprechend durch den innenliegenden Fachwerkträger biegesteif „durchgebunden“ sind. Diese Querträger tragen die Stahlbetondecken. Der Fachwerkträger als Begrenzung nach innen zum Atrium spannt als Einfeldträger über ca. 50 Meter. Der innere Fachwerkträger auf der Seite der Querträgerkragarme hat eine Gesamtlänge von ca. 93 Meter. Mit diesem gigantischen Ausmaß und einem Gesamtgewicht von ca. 360 Tonnen spannt er nicht nur über ca. 57,5 Meter, sondern kragt auch noch im Norden um ca. 20 Meter und im Süden ca. 15,5 Meter aus. Man kann sich leicht vorstellen, dass hierbei die Möglichkeiten eines Taschenrechners nicht ausreichen, um die Durchbiegung nicht nur eines Systems dieser Größenordnung, sondern von gleich mehreren Systemen im Zusammenspiel nachzuvollziehen sowie unter Berücksichtigung der Auswirkungen der einzelnen Bauzustände zu überlagern. Zudem mussten alle Bauteile derart überhöht hergestellt und montiert werden, dass im Endzustand die notwendigen engen Toleranzen und präzisen Fassadenanschlüsse gewährleistet werden konnten.

Um zudem einen entsprechenden filigranen Effekt zu erzielen, war eine gedrungene Bauweise zwingend. Erschwerend kam hinzu, dass der flache Kastenträger des Obergurts viele Durchbrüche für die Haustechnik aufnehmen musste. Ebenfalls, um einen möglichst eleganten Eindruck zu erzielen, sind die Diagonalen des Fachwerkträgers so schlank wie möglich gehalten – und damit fast aus massivem Stahl: Rohrprofile mit einer Wandstärke von bis zu 100 Millimeter klingen zwar nicht filigran, tragen aber nach außen diesem Anspruch durchaus Rechnung. Allerdings wird ein Knotenpunkt auf diese Weise auch, nun ja, sagen wir: „eine interessante Herausforderung für den Herzblutbauingenieur“, was im Detail soviel bedeutet wie Knotenausbildungen mit mehreren Knotenblechen jeweils bis zu 150 Millimeter Dicke. Nein wirklich, über mangelnde Herausforderungen brauchte man sich bei diesem Projekt nicht zu beschweren. Aufgrund der gedrungenen, teilweise nahezu massiven Ausführung der Knotenpunkte lag darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf den dortigen Spannungsverläufen, um örtliche Überbeanspruchungen zu vermeiden. So erforderte z. B. die Spannungsüberlagerung zwischen Quer- und Längssystem die Aufweitungen der Flansche nahezu aller Querträger, die so ursprünglich nicht geplant waren.

Die Fachwerkträger wurden in Einzelteilen von Christmann & Pfeifer gefertigt und in der Fertigung zur Passkontrolle komplett ausgelegt, vermessen und markiert, um dann wieder in Einzelteile zerlegt, strahlentrostet und grundiert auf die Baustelle geliefert zu werden, wo man die Einzelteile erneut zusammen fügte und komplett verschweißte. Die Verschweißungen erfolgten aufgrund des erheblichen Umfanges überwiegend unter Zelteinhausungen mittels Schutzgasschweißen (Füll- und Massivdraht).

Nachdem die Fachwerkgiganten komplett zusammengeschweißt waren, wartete das nächste Highlight: Das Aufrichten der Fachwerke und der „Einhub“ am Stück mittels zweier großer Raupenkräne, komplett über einen Zeitraum von insgesamt dreieinhalb Tagen, einschließlich des Einbaus aller für den Montagezustand erforderlichen Querträger. Nervenkitzel inklusive.

Sämtliche Querträger sind als geschweißte „H-Querschnitte“ gefertigt und grundiert. Unmittelbar im Anschluss an die Fachwerkmontage folgte die Anlieferung und Montage durch Montageverschraubungen der restlichen Querträger und Querträgerkragarme. Im nächsten Schritt wurden dann die inneren Querträger mit den Fachwerkträgern verschweißt sowie die Querträgerkragarme überhöht ausgerichtet und ebenfalls verschweißt. Dieses Verschweißen fand ebenso überwiegend in „eingehausten“ Hängegerüsten und Scherenbühnen mittels Schutzgasschweißen statt. Insgesamt lieferte, verbaute und montierte Christmann & Pfeifer knapp 1.000 t Stahl für das Projekt.

Das Endergebnis kann sich sehen lassen: die Wirkung im Atrium ist sensationell. Der Eingangsriegel wirkt leicht und scheint über dem Campus zu schweben. Kreative Verknüpfung von visionärer Architektur und leistungsstarker Ingenieurkunst macht’s möglich.

Bericht von kadawittfeldarchitektur:

SNEAKER-PROOF ENVIRONMENT

Neubau Forschungs- und Entwicklungsgebäude adidas Laces, Herzogenaurach

Adi Dassler war von einer einzigen Idee beseelt, als er seine ersten Schuhe fertigte: Jeder Athlet sollte den für ihn und seine Disziplin optimal angepassten Schuh erhalten. Ein Leitspruch, der bei adidas auch nach fast 100 Jahren noch Bestand hat.

Aufgabe
Die Marke adidas ist wie schon zu Zeiten des Unternehmensgründers Adi Dassler geprägt von permanenten Entwicklungen. Innovationen entstehen aber nicht zufällig und auch nicht nur in der Entwicklungsabteilung, sondern jeden Tag, wenn Mitarbeiter mitdenken, sich engagieren und mit Leidenschaft an der Entstehung neuer Produkte mitwirken. Dazu leistet der weitere Ausbau der ‚World of Sports‘ mit dem nachhaltigen Bürogebäude Laces einen erheblichen Beitrag, indem es den Mitarbeitern neben funktionalen und optimalen Arbeitsbedingungen auch ein inspirierendes und kreativitätsförderndes Umfeld bietet.

Die Herausforderung des 2006 ausgelobten Wettbewerbs bestand darin, dem hohen funktionalen und architektonischen Anspruch der bisher realisierten Bauten zu entsprechen und zugleich den individuellen Charakter der Marke adidas zu repräsentieren.

Intention
Das Streben Adi Dasslers nach dem perfekten Produkt lässt sich in vielen Aspekten auf Architektur übertragen.

Ziel des Entwurfs war es, ein Gebäude zu entwerfen, das zur Marke adidas passt.  Dies galt zum einen für die Gestaltung, vor allem aber für die Atmosphäre und das alltägliche  kreative Arbeiten. Ein Gebäude, in dem die Mitarbeiter erfolgreich und gerne arbeiten, und das das Besondere des Standorts Herzogenaurach jeden Tag erlebbar macht. Es sollte kein typisches Bürogebäude mit nach Abteilungen abgeschotteten Bereichen, sondern ein unverwechselbarer Ort der Identifikation der vornehmlich jungen Mitarbeiter aus der ganzen Welt mit dem Unternehmen entstehen. Aus unzähligen Ansätzen entstand schließlich das Konzept eines ringartigen Gebäudes mit einem großzügigen Atrium und verbindenden Stegen, den Laces (vom englischen Wort für Schnürsenkel), die auf Grund ihrer besonderen Geometrie dem Gebäude den Namen geben: den Luftraum des Atriums kreuzend verbinden sie die gegenüberliegenden Bürobereiche auf jeder Ebene und „schnüren“ so den Baukörper zu einem vielschichtig beziehungsreichen Bürogebäude zusammen. Die Themen Bewegung und Dynamik sind auf diese Weise immer präsent und vermitteln den Mitarbeitern das Gefühl, ein Teil des kreativen Arbeitsprozesses zu sein.

adidas laces, herzogenaurach

Pläne

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© kadawittfeldarchitektur


Einbettung in die Landschaft / Kontext HerzoBase
Der Campus wird von einer lockeren Anordnung individueller Baukörper gebildet, die jedes für sich eine prägnante und einzigartige Architektursprache spricht, sich jedoch gleichzeitig in das vielfältige Ensemble der „World of Sports“ eingliedert. Das Laces befindet sich im südöstlichen Teil des Areals, zwischen dem adidas Brand Center und dem Adi-Dassler-Sportplatz. Die Topographie nutzend, kann der Landschaftsraum über den zweigeschossigen Eingangsbereich in das transparent überdachte Atrium in das Gebäude hineinfließen und so die außerordentliche Qualität des Campus in Form einer artifiziellen Landschaft fortsetzen. Durch die zweigeschossige Glasfassade ist der Grünraum der Parkanlage im Atrium stets präsent. Die klare Kontur des ringartigen Bauwerks ermöglicht den freien Ausblick aus jeder Abteilung in den Landschaftsraum. Einzig der Bereich der Testhalle bewegt sich aus der Hülle heraus und wird als bewachsener Hügel in die Topographie eingebunden.

Gebäudekomplex
Als Pendant zu dem schwarzen und eher flachen Baukörper des adidas Brand Centers fügt sich das Laces mit seiner weißen Bandfassade und seinem dynamischen Bauvolumen in das bestehende Gebäude-Ensemble ein. Das klar konturierte Volumen lädt den umliegenden Campus förmlich ein, sich im Innern als temperiertes Atrium fortzusetzen. Ringschlüssig aufgereiht öffnen sich die Büroflächen mit großzügigen Verglasungen zum atmosphärischen Innenraum und zu dem bemerkenswerten Landschaftsraum. Innerhalb der einzelnen Geschosse ermöglichen  sie als freie, das Atrium überspannende Verbindungsstege ein Höchstmaß an Interaktion und kurzen Wegen und  lassen offene Kommunikationsbereiche entstehen. Die Stege „schnüren“ auch in statischer Hinsicht den Baukörper zu einem vielschichtigen und beziehungsreichen Bürogebäude zusammen.  Als filigrane Verbindungsstege verweben sie den Innenraum zu einem poetischen Raumgefüge und machen damit die besondere kreative Atmosphäre des Hauses ablesbar. Es entsteht ein inspirierender Ort für die Forschung und Produktentwicklung. Die äußere Erscheinung des Laces zeichnet sich durch die klar konturierte spiegelnde Glätte aus, die sich vornehm zurück nimmt und das Bauvolumen visuell reduziert. Die glatten Fassadenflächen werden durch die zurückspringenden Loggien an den Stegen strukturiert und gegliedert.

Das Laces kann grob in vier Bereiche unterteilt werden:

  • der Bürobereich in den vier Obergeschossen, die so genannten Office Module,
  • die Sonderflächen im Erdgeschoss, das so genannten Service Module,
  • die Musterwerkstätten, Materiallabore und Forschungsbereiche samt Testhalle, das so genannte Innovation Module und
  • die Technikzentralen, Lagerräume und sonstigen Nebenräume.

Im Inneren des Laces stellen die Bürobereiche, die so genannten Office Module, den räumlichen und flächenmäßig größten Teil des Bauvolumens dar. Hier ziehen vor allem die „kreativen Einheiten“ ein, deren Arbeitsmaterial nicht wie sonst üblich aus Papier und Ordnern besteht, sondern aus Textilien, Schuhen und Accessoires wie Taschen, Bällen etc. In ihrer zurückgenommenen weißen bzw. hellgrauen Farbgebung schaffen die Bürobereiche eine atelierartige Atmosphäre für die kreative Arbeit an Produkten, Designs und Konzepten. Dabei zielt die eher neutrale Farbgebung nicht nur auf eine Beruhigung bei aller farblichen Vielfalt der Produkte hin, sondern sorgt für  eine möglichst helle und angenehme Arbeitsatmosphäre.

© W. Huthmacher | kadawittfeldarchitektur


Im bewussten Kontrast zu den hell gehaltenen Office Modules und der weißen und transparenten Innenfassade bilden sich die namensgebenden ‘Laces‘ als dunkelgraue Stege ab, die mit ihrer allseitig anthrazitfarbenen Gestaltung als verbindendes Band das weiträumige Atrium durchziehen und strukturieren.

An den Punkten, an denen die Stege in die umlaufenden Büroflächen eintauchen, bilden die so genannten „Office-Lounges“ offene Kommunikationsbereiche, die sich mit vorgelagerten Loggien nach Außen orientieren und zum entspannten Verweilen einladen. Das Zusammenspiel von Stege und umlaufendem Ring der sog. Office Module bietet eine größtmögliche Flexibilität in der Anordnung der Abteilungen und trägt den Sicherheitsanforderungen Rechnung: Es müssen  keine fremde Abteilungen gekreuzt werden; die Durchwegung der Abteilungen als Störfaktor entfällt. Gleichzeitig werden  durch die hohe Transparenz innere Bezüge zwischen den einzelnen Abteilungen hergestellt. Das zentrale Atrium wird zur Kommunikationszone, an die sich  abteilungsübergreifend  nutzbare Meetingbereiche und die Bistro-Lounge angliedern.

Tragwerk
Das Atriumdach wird durch ein Stahlbogentragwerk gebildet, das auf dem Ringbaukörper und den Stegträgern aufliegt. Der räumliche und thermische Abschluss erfolgt durch ein transparentes 3-lagig ausgebildetes ETFE-Kissendach, welches über eine Luftversorgung steif gehalten wird. Die Kissen sind außen mit einer Punktrasterung bedruckt, die der Reduzierung des Wärmeeintrags durch das Sonnenlicht dient. Die Kissenkonstruktion wird getragen von außen liegenden 4 Meter hohen Stahlfachwerkträgern, die bis zu 50 Meter überspannen und aus dem Innenraum durch die Bedruckung kaum wahrgenommen werden.

Die Laces selbst werden vom Fachwerkträger abgehängt, die bei den Stegen eine Aufbauhöhe von nur 30 Zentimeter möglich macht. Die Schlankheit der Konstruktion war ein wesentliches Kriterium in der Planung, damit trotz der Vielzahl der Stege die gewünschte Transparenz und Offenheit des Atriums nicht beeinträchtigt wird.

Durch die innovative Tragwerksausführung als fugenlosen Ringverbund mit integrierten Kompensationsstreifen konnten, mit sehr positiver Auswirkung auf die Ökobilanzierung des Gebäudes, mehr als 300 Tonnen Bewehrungsstahl eingespart werden. Der Ringverbund  wird zudem im Dachbereich über seitlich an Stahlfachwerkträgern angeordnete Krallen ausgesteift. Hierdurch konnte die Bogenträgerkonstruktion trotz großer Spannweiten ohne jegliche statische Unterspannung äußerst filigran ausgebildet werden.

adidas Laces

Dimensionen, Tragwerk
und Bau

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© Christmann & Pfeifer


Eine weitere Besonderheit ist die Auskragung des Eingangsriegels, der das Atrium sehr weit ohne zusätzliche Stützen in den Park öffnet. Damit das gelingt, ist der Eingangsriegel als ein über sechzig Meter frei spannender brückenartiger Gebäudeteil konzipiert, der von zwei gigantischen Fachwerkträgern gehalten wird. Der größere Fachwerkträger wiegt allein schon ca. 340 Tonnen, das entspricht in etwa dem Gewicht eines Jumbo-Jets.

Sonderbereiche Erd- und Untergeschoss

Service Module
Rund um das Atrium und das östlich gelegene Innovation Valley befinden sich im Erdgeschoss die zum Teil öffentlich zugänglichen Sonderflächen wie der Service Point und die zentralen Meetingräume, sowie die Empfangsräume von ‚Fit & Wear‘ für externe Produkttester.  Das Bistro ‚Timeout‘, dient den Beschäftigten als Cafeteria und bietet mit 250 Sitzmöglichkeiten im Atrium, im Gebäude oder auf der großzügigen Außenterrasse genügend Raum für einen kleinen Snack.

Innovation Valley
Das Innovation Valley bildet innerhalb des Atriums einen tiefer gelegenen begrünten Hof, der über eine breite Treppe vom Erdgeschoss erreicht wird. Rund um das ‚Innovation Valley‘ gliedern sich im Untergeschoss die Produktions- und Entwicklungs-Abteilungen an, in denen geforscht wird und neue Produkte entwickelt und als Testprodukte hergestellt werden.

Einen ganz besonderen Bereich stellt das ‚Athlete Services’ dar, denn hier findet vor Ort eine individuelle Betreuung von Vertragsathleten, Mannschaften und VIPs statt.  Für herausragende und von adidas individuell betreute Athleten werden hier individuell angepasste Produkte angefertigt und präsentiert.

© Werner Huthmacher | kadawittfeldarchitektur


Die in diesem Bereich zentral gelegene Athlete-Services-Lounge wird umgrenzt von verschiedenen Räumlichkeiten, in denen die Körper vermessen werden, Kleidung anprobiert wird, und in denen Schuhe mit Unterstützung aktueller biomechanischen Analysemethoden angepasst werden können. Die Lounge bietet entspannte Aufenthaltsmöglichkeiten für die Sportler, um in lockerer Atmosphäre auf das maßgeschneiderte Produkt zu warten und es in Empfang zu nehmen.

Ebenfalls am Innovation Valley und sinnbildlich im Herzen des Gebäudes gelegen ist das Brand Archive,  in dem die adidas-Devotionalien, wichtige Produkte aus der Firmenhistorie und der Design- und Produktentwicklung, aufbewahrt werden und Mitarbeitern als Recherche- und Inspirationsquellen für die aktuelle  Produktentwicklung zu Verfügung stehen.

Innovation Module
Das Innovation Module umfasst die Abteilungen der Produktentwicklung und die Produkttestbereiche und lagert sich mit seinen Materiallaboren und Musterwerkstätten im Erdgeschoss und Untergeschoss rund um das Innovation Valley an.  Die Keimzelle der Produktforschung und Produktentwicklung von zukünftigen adidas-Produkten  stellt die Testhalle des Biomechanical Lab dar. Diese dient  den Produkttests. Die Halle ist größer als eine Dreifachturnhalle und hat eine Deckenform, die sich aus der Linie eines Ballschusses entwickelt hat. Hier kann mit den Bällen quer durch die ganze Halle durch das öffenbare Tor an der Hallen-Stirnseite hindurch bis in den Außenraum geschossen werden. Verschiedene Laufbahnen, die mit Testinstrumenten und Kameras ausgestattet sind, bieten beste Testbedingungen für neu entwickelte Laufschuhe; ein Kunstrasenfeld dient dem Test von Fußball-, Rugby- und Football-Schuhen.

Erscheinungsbild
Ohne aufgesetzte gestalterische Verrenkung erhält das Gebäude ein Erscheinungsbild, das zur Marke adidas passt. Dabei reduziert die durch den Wechsel von weißen Brüstungs- und dunklen Fensterbändern entstehende Streifigkeit der Fassade das wahrgenommene Volumen des Baukörpers. Durch die glatte spiegelnde Oberfläche der Fassade wird diese Reduktion noch zusätzlich unterstützt. Je nach Blickwinkel auf die Fassaden des Gebäudes, verschwimmt dieses als Spiegelbild mit der umliegenden Landschaft.

Die den Innenraum prägenden Stege treten auch an der Fassade in Erscheinung. Als vertikale räumliche Einschnitte gliedern sie in Form von Loggien die langen Fassadenseiten.

Um dem scharfkantigen Baukörper einen dynamischen Ausdruck zu verleihen und um den Raumeindruck des Atriums nach oben zu weiten, sind zwei der sechs Gebäudeseiten leicht nach außen geneigt. Diese Schrägstellung setzt sich über die mit diesen Seiten verbundenen Stege durch das gesamte Gebäude fort. So verweisen auch in den geraden Fassaden die leicht schräg eingeschnittenen Loggienbereiche auf die Dynamik des Innenraums.

Die beiden den zweigeschossigen Eingangsbereich flankierenden Fassaden sind ebenfalls verdreht, um möglichst viel Horizont vom Campus sichtbar zu lassen. Auf diese Weise bleibt der Campus trotz der Größe und Breite des Gebäudes mit der umgebenden Landschaft verbunden.


Fassaden
Ausgangspunkt des Gestaltungskonzeptes ist eine glatte und scharfkantige Konturierung des Baukörpers, der durch die weiß emaillierten Brüstungsbänder geprägt wird. Zusätzlich wird das Volumen durch die dunkel erscheinenden horizontalen Fensterbänder strukturiert, die in ihrer horizontalen Ausrichtung von den vertikal über einander liegenden Loggien mit ihren schwarzen Brüstungen durchbrochen und gegliedert werden. Die glatte Fassadenoptik wird unter Einsatz einer Aluminium-Elementkonstruktion als Structural-Glazing-Fassade mit 3-fach-Isolierverglasung und einem integrierten Sonnen- / Blendschutz im Scheibenzwischenraum erreicht.

Im Südwesten des Gebäudes öffnet sich der Ringbaukörper über zwei Geschosse und es entsteht eine großer überdachter Vorbereich als Eingang zum Campus. Um den Fluss der Landschaft in das Innere des Atriums durch eine möglichst transparenten Fassade zu unterstützen und filigrane Fassadenprofile zu erhalten wird die Stahlkonstruktion am darüber befindlichen Gebäuderiegel des Ringbaukörpers abgehängt. Die beidseitig des Haupteinganges angeordneten Wandverkleidungen der geneigten Längs- bzw. Stirnseiten der angrenzenden Gebäuderiegel spiegeln mit einer hochglänzenden, unsichtbar befestigten Wandverkleidung in Form von polierten Edelstahlblechen den umgebenden Landschaftsraum.

Der hohe Verglasungsanteil der Außenfassade und die zum Atrium raumhoch verglaste Innenfassade sorgen für eine sehr gute Belichtung der Arbeitsbereiche, deren kommunikatives Ambiente von Transparenz geprägt ist.

Durch die Überdachung des kompletten Atriums mit einem bedruckten Folienkissendach und die thermische Konditionierung konnten die Innenfassaden als Einscheibenverglasung ohne Pfostenprofile ausgeführt werden.

Ganzheitlichkeit
Das Gebäude zeichnet sich ergänzend  dadurch aus, dass andere Gestaltungsthemen wie die Orientierungsplanung und die Büromöblierung außergewöhnlich früh in den Planungsprozess eingebunden werden konnten. Auf diese Weise entsteht ein ungewöhnlich homogenes Ganzes. Gebäude, Innenraumgestaltung, Grafik und Möblierung wirken wie aus einem Guss.

Büroraumkonzept
Das Laces ist als flexibles Bürogebäude konzipiert. Veränderungen in der Zusammensetzung und Größe der Teams bzw. ganzer Belegungseinheiten sind in einem global agierenden Konzern wie adidas ebenso an der Tagesordnung wie die temporäre Integration von Arbeitskräften aus den weltweiten Standorten oder externer Personengruppen. Das bedeutet, dass die Belegung innerhalb des Office Modules einfacher als bisher an Änderungen in der Organisation angepasst werden kann. Dieses reversible Büroraumkonzept basiert zum einen auf modularen, dem Achsraster von 1,60 Meter folgenden Belegungseinheiten, einem flexiblen Trennwandsystem zur Schaffung von Einzelbüros und Meetingräumen sowie einer aufwendigen haustechnischen Vorrüstung, die eine ebenfalls dem Achsraster folgende Medienversorgung sicherstellt.

Wesentlich ist dabei die Aufteilung der Bürofläche in drei funktionale Zonen, zwei Arbeitsplatzzonen jeweils entlang der Außen- und Innenfassade und einer dazwischen liegenden Multifunktionszone. Während die Arbeitsplatzzonen sowohl abgeschlossene Raumeinheiten als auch offen Gruppenbüros beinhaltet, ist die Multifunktionszone als offener, die beiden Zonen verbindender Bereich gedacht. In ihr bieten sich Möglichkeiten für informelle Meetings, befinden sich temporäre Arbeitsplätze sowie Platz für Stauraum, Drucker und weitere Funktionen.

Möblierungskonzept
Das eigens für adidas entwickelte Möblierungskonzept „WORKOUT“ wurde vom Berliner Büro Kinzo gestaltet und berücksichtigt anders als heutige Standardbüromöbel neben den Anforderungen der  üblichen ‚adHoc-Kommunikation‘- vor allem das Arbeiten an und mit dem Produkt. Das Design der Möbel orientiert sich dabei auch an der Architektur, dem Farb- und Materialkonzept und  insbesondere an der Arbeitsweise in den verschiedenen Abteilungen und Produktbereichen. So wurde z.B. ein spezielles Schrank- und Regalsystem entwickelt, das im Besonderen auch für Textilien, Schuhe und Accessoires wie Taschen, Bälle, etc. geeignet ist und sehr flexibel ausgestattet werden kann.

Zitat von Kinzo als Designer des Interiors der Office Module:
„WORKOUT übersetzt das kommunikationsfördernde Architekturkonzept von kadawittfeldarchitektur in ein Möbel- und Interiordesign, das für die individuellen Erfordernisse und die speziellen Anforderungen der adidas Arbeitsumgebung maßgeschneidert wurde. Durch das Zusammenspiel von Architektur und Interior gleicht das Laces einem perfekt aufeinander abgestimmten Filmset, das so hundertprozentig in die Identität des Unternehmens und die Marke adidas einzahlt. Als Herzstück des Möbel-Systems fungiert der „Teamplayer“, ein multifunktionales Raummodul, das der offenen Büroetage eine dynamische, rhythmische Gliederung verleiht und den wellenartigen Fluss des Gebäudes in den Raum hinein leitet. Die Teamplayer-Elemente wirken wie eine Klammer, die einzelne Räume aufspannt, transparent und leicht, und gleichzeitig das Arbeitsrevier eines Teams klar markiert.“

Orientierungssystem
Zur besseren Orientierung ist das Laces zunächst in annähernd gleich große Gebäudesegmente unterteilt, die jeweils mit einem Großbuchstaben bezeichnet sind. Diese Buchstaben sind im Erdgeschoss an der Atriumsfassade angebracht und werden in Verbindung mit der Nummer des jeweiligen Geschosses zur Zieladresse im Gebäude. Zusätzlich wird die Orientierung durch die Bezeichnung der Office Lounges mit historischen Produktnamen unterstützt, die auch auf den Glasgeländern der jeweiligen Stege zu erkennen sind.

Eine Überlagerung von Begriffen und sichtbaren Lettern, die im Zentrum des Atriums gleichsam in der Luft schwirren und somit den Geist des Hauses prägen. . Zur Unterstützung der Orientierung in dem weitläufigen Gebäude sind die Office Lounges und Kaffeeküchen in den Kernen in jeweils einheitlichen Primärfarben gestaltet.

Zitat von Prof. Andreas Uebele als Planer des Leit- und Orientierungssystems:
„die bewegung beim sport bestimmt die grafische sprache. bewegte typografie durchzieht das haus.(…) auf den gläsernen brüstungen bilden sich, je nach geschoss, unterschiedliche typografische bilder, die beim blick durch das atrium ein bewegtes, aber zurückhaltendes bild erzeugen.(…) die konturlinien der buchstaben und der pfeile werden horizontal versetzt und rhythmisch wiederholt, so dass der eindruck einer schrift entsteht, die an sportliche bewegung erinnert.“

„die unfarbige typografie ordnet sich in die sachlich kühle, von understatement geprägte welt ein, ohne sich unterzuordnen. sie reflektiert die bewegung der menschen und verstärkt so die thematische assoziation zum sport.“

Haustechnik
Bei der technischen Ausstattung des Gebäudes wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass räumliche Änderungen mit geringstem Aufwand erfolgen können. Hierzu ist eine aufwendige technische Ausstattung in der Decke und im Fußboden nach einem Raster der möglichen Wandstellungen angeordnet.

Obwohl ein Großteil der umfangreichen Technik in der Decke steckt und trotz der hohen Anforderungen an Kühlung und Schallschutz, ist es gelungen, dass die Decke der Büros eine ruhige und homogene Untersicht erhält. So sind  z.B. die Rauchmelder und  Sprinkler, die Kühl-Heiz-Decken, Schallabsorptionselemente sowie auch sonstige Technik in dieser Decke verborgen.

Das Klimakonzept des Büros stellt ein wirtschaftlich integratives System dar. So wird eine Kühldecke mit einer sehr hohen spezifischen Leistung kombiniert mit einer optisch wirksamen Lamellendecke. Hocheffiziente  Zuluft –Auslässe mit einer Luftwechselrate von 1,5 komplettieren dieses System.  Die Abluft strömt über die Fassade ins Atrium. Dadurch  kann fast vollständig auf eine Abluftkanalführung aus den Büros im Schacht verzichtet werden, was wirtschaftliche Vorteile birgt, da Flächen und Kosten eingespart werden können. Gleichzeitig wird die Energie der Abluft aus den Büros zur Konditionierung des Atriums verwendet. Mit Unterstützung eines Heiz-Kühlbodens/ -decke im Atrium werden dadurch ganzjährig Temperaturen von 16 – 28°C erreicht.

Die verbleibende Restenergie der Luft im Atrium wird über zentrale Wärmerückgewinnungssysteme der Zuluft für die Büros erneut zugeführt.

Nachhaltigkeit
Bei der Planung und Realisierung des Laces wurden zahlreiche Maßnahmen berücksichtigt, die sich zu einem stimmigen nachhaltigen Gesamtkonzept zusammenfügen.

Gebäudehülle und Gebäudeenergetik: Die Verglasung der hochgedämmten Außenfassaden wurde als hochisolierende 3-fach- Structural-Glazing-Konstruktion ausgeführt und erfüllt höchste Standards bzgl. der thermischen und feuchteschutztechnischen Qualität an die Gebäudehülle. Durch die Überdachung des Atriums mit einem extrem reinigungsextensiven, UV-durchlässigen und sehr leichten ETFE-Kissendach konnte die Hüllfläche (A/V Verhältnis) des Gebäudevolumens deutlich optimiert werden.

Die Anforderungen der Energie-Einsparverordnung (EnEV) wurden beim Laces um 38,8% unterschritten. Die Klimatisierung des Atriums erfolgt durch Überströmung der konditionierten Luft aus den Bürobereichen, so dass keine zusätzlichen Betriebskosten für das Atrium entstehen. Hierdurch konnten u.a. die Lüftungsschachtflächen in den Kernen zu Gunsten optimierter Nutzflächen verkleinert werden. Die Energie der Abluft wird über eine Wärmerückgewinnungsanlage zurückgewonnen.

Erhebliche Stromeinsparungen konnten durch eine intelligente Lichtsteuerung wie u.a. durch eine tageslicht- und präsenzgesteuerte, sowie dimmbare Beleuchtung realisiert werden. Die Beleuchtung der Lace-Stege im gesamten Atrium erfolgt mittels eines 750 Meter langen LED-Lichtbandes. Weiterhin konnte der Strombedarf, sowie der Heiz- und Kühlbedarf durch einen steuerbaren Sonnen- /Blendschutz (sehr hohe Tagelichtausnutzung) optimiert werden.

Geothermie: Die Nutzung regenerativer Energie durch 28 Geothermiesonden mit einer Sondenlänge von rd. 4300 Metern führt alleine zu einer Co2-Einsparung von ca. 80 Tonnen/ Jahr.

Gründach: Die gesamte 1700m²-grosse-Dachfläche des Testcenters wurde als Gründach ausgeführt, mit einheimischen Gewächsen bepflanzt, und landschaftstopographisch eingebunden.

Regenwassernutzung zur Reduzierung des Frischwasserbedarfes und zur Entlastung der Abwasserinfrastruktur: Für die  WC- und Urinalspülung wird ganzjährig Regenwasser genutzt.  Anfallendes Regenwasser auf dem Hauptdach des Laces wird in eine unterirdische, 180m³ große, Regenwasserzisterne geleitet. Überschüssiges Regenwasser wird zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Durch den Einsatz von wassersparenden berührungslosen Armaturen konnte der Frischwasserbedarf weiter reduziert werden.

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Bürogebäude

Bauvolumen
BGF 62.000m² BRI 356.000m³

Realisierung
2008-2011

Bauherr
adidas AG World of Sports

Wettbewerb 1.Preis 2007

Architekt
kadawittfeldarchitektur

Aureliusstraße 2
52064 Aachen
www.kwa.ac

Projektpartner
Dirk Zweering

Tragwerk
Weischede Herrmann und Partner GmbH, Stuttgart

Stahlbau
Fachwerkkonstruktion
Christmann & Pfeifer (C+P Industriebau GmbH & Co. KG)
In der Werr 11
35719 Angelburg
www.cpbau.de

Verbindungsbrücken, Membrandach
Prebeck GmbH
Brunfeldstr. 11
94327 Bogen
www.stahlbau-prebeck.de

Auszeichnungen
Office Application Award 2009:
Best Innovative Concept
Preis des Deutschen Stahlbaues 2014 Auszeichnung

Foto Seitenkopf (Ausschnitt)
© Werner Huthmacher | kadawittfeldarchitektur


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